TID
TIBET INITIATIVE DEUTSCHLAND
Die Entwicklung der Flaggenaktion
TID
Eine Welle der Solidarität
Jedes Jahr schließen sich mehr Städte und Gemeinden der Flaggenaktion an
Von Helmut Clemens (Tibet Forum)
Rathaus mit tibetischer FlaggeZum zehnten Mal organisieren die internationalen Tibet Support Groups in diesem Jahr zum Tag des Tibetischen Nationalaufstands von 1959 die Aktion "Eine Flagge für Tibet". Von Jahr zu Jahr ist die Zahl der Städte und Gemeinden, die sich an der Solidaritätsaktion für eine der letzten Kolonien dieser Welt beteiligen, gewachsen. Nicht zuletzt im jenen europäischen Ländern, deren Bürgern man jahrzehntelang ebenfalls das Recht auf Selbstbestimmung vorenthalten hatte, traf die Aktion auf Unterstützung.

So waren es im kleinen Tschechien 84 Rathäuser und öffentliche Gebäude, auf denen am 10. März 2001 die Fahne mit der aufgehenden Sonne und den beiden Schneelöwen wehte, in der Hauptstadt Prag wehte sie in 15 Bezirken, auch auf dem Rathaus am Altstädter Ring. In Ungarn traten 53 Städte den Solidaritätsbeweis an; allein in Budapest war die Fahne an vier exponierten Stellen nicht zu übersehen: auf der Kettenbrücke, an der Gellertstatue, an der Freiheitsstatue im Zentrum und sogar am Portal der chinesischen Botschaft. Hier bekam die Öffentlichkeit den chinesischen Botschafter leibhaftig zu sehen, als er den vor dem Gebäude postierten Polizeibeamten befahl, die Fahne zu entfernen. Letztere weigerten sich indessen ebenso wie die Veranstalter, dieser Aufforderung nachzukommen. So mussten chinesische Diplomaten selbst für das Verschwinden des tibetischen Freiheitssymbols sorgen.

Von den westlichen Ländern, die sich an der Aktion beteiligen, seien stellvertretend Frankreich und Deutschland erwähnt: Frankreich im Jahr 2001 mit annähernd 400 und Deutschland im Jahr 2003 mit 542 Kommunen und Gemeinden. Als die Tibet-Initiative Deutschland 1996 zum ersten Mal an die Verantwortlichen mit der Bitte herantrat, die Tibetfahne zu hissen, folgten gerade mal 21 Bürgermeister dem Beispiel des kleinen Wächtersbach in Hessen, das die Initialzündung gegeben hatte. Im Jahr darauf waren es schon 76 Städte und Kommunen, dann über hundert, 1999 mehr als 300, darunter sieben Landeshauptstädte, bis im Jahr 2000 erstmals die 400er Grenze überschritten wurde. Dann, 2003, waren es sogar erstmals mehr als 500 und dabei gleich 542. Vergangenes Jahr waren es bereits 572.

Mittlerweile gibt es Gemeindevertretungen, die von sich aus die Flagge hissen, ohne dass es den Ideengebern vorab bekannt wäre. 53 europäische Kommunen, vor allem französische, flaggen sogar permanent – mit der erklärten Absicht, die Fahne erst dann einzuholen, wenn sich die Verhältnisse in Tibet geändert haben. Andererseits gibt es Kommunalpolitiker, die eine Teilnahme aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen, weil sie darin einen außenpolitischen Akt und mithin eine Überschreitung ihrer Kompetenzen sehen.

Dalai Lama-Empfang für Bürgermeister Von diesen gaben gleichwohl die meisten ihrem Bedauern für die Absage Ausdruck und bekundeten ihre Solidarität mit den Inhalten der Aktion. So schrieb der Bürgermeister von Dachau: Das großartige Volk der Tibeter mit einer nicht minder großartigen Kultur hat es verdient, dass sich möglichst viele Länder, aber auch Privatinitiativen… dafür einsetzen, dass die völkerrechtswidrige Besetzung durch die Volksrepublik China mit all ihren furchtbaren Folgen zu Ende geht… Wie Sie richtig schreiben, wäre es Aufgabe der Bundesregierung, die eigene Position in der Tibetfrage schärfer abzugrenzen und im Rahmen von nationalen und internationalen Gesichtspunkten aktiver als bisher einzubringen. Ich bin in der Vergangenheit gut damit gefahren, diese grundsätzlichen Zuständigkeiten abzugrenzen. Im Zuge der Gleichbehandlung wäre es ansonsten erforderlich, andere politische Aktionen, die gegebenenfalls weniger förderungswürdig sind als Ihre Initiative, ebenfalls durch das offizielle Verwenden von Fahnen und Symbolen berücksichtigen zu müssen… Bitte haben Sie für diese Meinung Verständnis. Ich wünsche… aber unabhängig davon weiterhin viel Erfolg, damit gemeinsam mit anderen Institutionen und Ländern (möglichst nicht nur in der westlichen Welt) die internationale Staatengemeinschaft aufgerüttelt wird, [zur Kenntnis zu nehmen], was auch heute noch – Jahrzehnte nach der Annexion – in Tibet geschieht."

Zuspruch und innere Solidarität also auch von jenen, die aus respektablen Gründen außen vor bleiben. Die weltweite Zustimmung zu der Aktion und die internationale Resonanz scheinen die Skeptiker zu widerlegen, die der Meinung sind, so etwas bewirke ja doch nichts. Sicher ist: Wo es keine Aktionen gibt, kann auch nichts bewirkt werden. Je lauter die Stimmen des Protestes werden, um so unwahrscheinlicher ist es, dass die Politiker der freien Welt es sich à la longue leisten können, die Stimmung der Öffentlichkeit zu ignorieren und bei ihrer halbseidenen Haltung zu bleiben.

Aus Amerika schrieb ein tibetischer Arzt an die Organisatoren der TID: "Ich bin ein Tibeter, der in den Vereinigten Staaten lebt und Tibet selbst noch nie gesehen hat. Doch ich hoffe, eines Tages mit meinen alten Eltern dorthin zurückzukehren. Seien Sie sehr bedankt für all Ihre Unterstützung und dafür, dass Sie unserer kleinen Gemeinschaft eine Stimme geben. Es ist ermutigend, dass es Menschen gibt wie Sie alle in Deutschland, die ein Land unterstützen, dass kein Öl hat und keine Millionen-Dollar-Geschäfte anbieten kann. Danke." 


Zurück zur Startseite

Diese Seite finden Sie unter: https://tibetflagge.net