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Eine Welle der Solidarität |
Jedes Jahr schließen sich mehr Städte und Gemeinden der Flaggenaktion an |
Von Helmut Clemens (Tibet Forum) |
![]() So waren es im kleinen Tschechien 84 Rathäuser und öffentliche Gebäude, auf denen am 10. März 2001 die Fahne mit der aufgehenden Sonne und den beiden Schneelöwen wehte, in der Hauptstadt Prag wehte sie in 15 Bezirken, auch auf dem Rathaus am Altstädter Ring. In Ungarn traten 53 Städte den Solidaritätsbeweis an; allein in Budapest war die Fahne an vier exponierten Stellen nicht zu übersehen: auf der Kettenbrücke, an der Gellertstatue, an der Freiheitsstatue im Zentrum und sogar am Portal der chinesischen Botschaft. Hier bekam die Öffentlichkeit den chinesischen Botschafter leibhaftig zu sehen, als er den vor dem Gebäude postierten Polizeibeamten befahl, die Fahne zu entfernen. Letztere weigerten sich indessen ebenso wie die Veranstalter, dieser Aufforderung nachzukommen. So mussten chinesische Diplomaten selbst für das Verschwinden des tibetischen Freiheitssymbols sorgen. Von den westlichen Ländern, die sich an der Aktion beteiligen, seien stellvertretend Frankreich und Deutschland erwähnt: Frankreich im Jahr 2001 mit annähernd 400 und Deutschland im Jahr 2003 mit 542 Kommunen und Gemeinden. Als die Tibet-Initiative Deutschland 1996 zum ersten Mal an die Verantwortlichen mit der Bitte herantrat, die Tibetfahne zu hissen, folgten gerade mal 21 Bürgermeister dem Beispiel des kleinen Wächtersbach in Hessen, das die Initialzündung gegeben hatte. Im Jahr darauf waren es schon 76 Städte und Kommunen, dann über hundert, 1999 mehr als 300, darunter sieben Landeshauptstädte, bis im Jahr 2000 erstmals die 400er Grenze überschritten wurde. Dann, 2003, waren es sogar erstmals mehr als 500 und dabei gleich 542. Vergangenes Jahr waren es bereits 572. Mittlerweile gibt es Gemeindevertretungen, die von sich aus die Flagge hissen, ohne dass es den Ideengebern vorab bekannt wäre. 53 europäische Kommunen, vor allem französische, flaggen sogar permanent mit der erklärten Absicht, die Fahne erst dann einzuholen, wenn sich die Verhältnisse in Tibet geändert haben. Andererseits gibt es Kommunalpolitiker, die eine Teilnahme aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen, weil sie darin einen außenpolitischen Akt und mithin eine Überschreitung ihrer Kompetenzen sehen.
Zuspruch und innere Solidarität also auch von jenen, die aus respektablen Gründen außen vor bleiben. Die weltweite Zustimmung zu der Aktion und die internationale Resonanz scheinen die Skeptiker zu widerlegen, die der Meinung sind, so etwas bewirke ja doch nichts. Sicher ist: Wo es keine Aktionen gibt, kann auch nichts bewirkt werden. Je lauter die Stimmen des Protestes werden, um so unwahrscheinlicher ist es, dass die Politiker der freien Welt es sich à la longue leisten können, die Stimmung der Öffentlichkeit zu ignorieren und bei ihrer halbseidenen Haltung zu bleiben. Aus Amerika schrieb ein tibetischer Arzt an die Organisatoren der TID: "Ich bin ein Tibeter, der in den Vereinigten Staaten lebt und Tibet selbst noch nie gesehen hat. Doch ich hoffe, eines Tages mit meinen alten Eltern dorthin zurückzukehren. Seien Sie sehr bedankt für all Ihre Unterstützung und dafür, dass Sie unserer kleinen Gemeinschaft eine Stimme geben. Es ist ermutigend, dass es Menschen gibt wie Sie alle in Deutschland, die ein Land unterstützen, dass kein Öl hat und keine Millionen-Dollar-Geschäfte anbieten kann. Danke." |
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